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Woher kommt Nachts der Ökostrom?

Woher kommt Nachts der Ökostrom?

In Deutschland haben wir extreme Überkapazitäten zur Stromerzeugung. Das ist nicht schlimm, denn sie sorgen auch dafür, dass wir in der Nacht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht verlässlich sauberen Ökostrom bekommen.

Aktualisiert 20.5.2020

Wer hat das Problem?

Zunächst ist es das Problem der Stromanbieter, wie sie in einem Ökostromtarif in der Nacht eine Erzeugung für ihre Kunden finden. Dieser Aufgabe sind aktuell über 400 Anbieter in Deutschland gewachsen, von denen jeder eine etwas andere Strategie gewählt hat.

Die andere Gruppe, die gerne über die Herausforderung “Dunkelflaute” kommuniziert und Ängste schürt, sind die Gegner der Energiewende und nicht selten gekaufte Stimmungsmacher.

Solltest Du kein Stromanbieter sein und auch kein Gegner der Energiewende, dann hast Du kein Problem und kannst mit ruhigem Gewissen Ökostrom beziehen.

Was kommt den Stromanbietern zu Gute?

Echten Grünstrom gibt es nicht nur in Form von Solar- und Windstrom, sondern auch aus Biomasse und Wasserkraft. Es ist richtig, dass wir bei Biomasse und Wasserkraft bereits hinsichtlich des Ausbaus an Grenzen stoßen, aber die vorhandenen Kapazitäten reichen in der Nacht völlig aus.

Nicht vergessen: Wir reden hier von der Nacht! Die Biomasse und Wasserkraft allein würde nicht unter der Woche am Tage die Spitzenlast abdecken können. Der Stromverbrauch in der Nacht für ganz Deutschland liegt bei unter der Hälfte des Bedarfs am Tage. Grund hierfür sind zum Beispiel energiesparende Geräte, moderne Straßenbeleuchtung und der Wegfall von Nachtspeicherheizungen.

Früher hatte man versucht in der Nacht den Verbrauch zu erhöhen, um am Tage weniger Spitzenlast zu haben. Dies hat sich geändert, was man zunächst in den Stromnetzen gesehen hat, mittlerweile auch beim Zubau von Erzeugern. Der Boom von Photovoltaik ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass man am Tage einen Markt hat, der verlässlich Strom abnehmen will.

Aus unserer eigenen Erfahrung kann man allerdings feststellen, dass wir noch nie das Problem hatten, dass wir in den Nachtstunden keine freien Erzeugungskapazitäten finden konnten.

Tagsüber Grünstrom exportieren, Nachts Kohlestrom importieren, das nicht klimafreundlich sein?

Deutschland liegt in der Mitte von Europa und damit auch in der Mitte des europäischen Stromnetzes. Es ist normal, dass Strom mit den Nachbarländern ausgetauscht wird und es ist richtig, dass Frankreich auf Atomstrom setzt und Polen gerne auf Kohlestrom. Österreich hingegen verzichtet auf Atom- und Kohlestrom, ist jedoch das Land, welches sehr viel Strom mit Deutschland austauscht und an dem man den Nutzen des Europäischen Verbundnetzes (ENTSOe) erklären kann.

Bereits im Beitrag Dunkelflaute?! wird der Pumpspeicher Kaprun genannt, dieser befindet sich in den Alpen und ist mit zwei Becken ein sehr großer Speicher für Strom. In den 1930er Jahren gebaut erreichte Kaprun seine Hochzeit mit dem Aufkommen der Kernenergie in Deutschland. Ein Problem, welches Kernkraftwerke besitzen, ist, dass sie am wirtschaftlichsten Arbeiten, wenn sie auf konstanter Last gefahren werden. Nun wurde jedoch bereits früher in der Nacht weniger Strom benötigt als am Tage.

In den späten 1970er Jahren sind daher die Pumpspeicher in Deutschland, aber vor allem in Österreich, dazu genutzt worden, um in der Nacht das Wasser aus dem unteren Speicherbecken in das Obere zu pumpen und damit künstlichen (gesteuerten) Stromverbrauch zu schaffen. Am Tage, zur Zeit der Spitzenlast hatte man die Richtung umgekehrt und durch die Entleerung des oberen Beckens Strom erzeugt. Mittlerweile hat sich der Tag/Nacht-Zyklus umgedreht. Ist das Schlimm? Nein!

Was wirtschaftlich in den Jahren 2010 bis 2015 schlecht für die Betreiber gewesen ist, war die Phase, in der die Pumpspeicher weder am Tag noch in der Nacht benötigt wurden. Gerade in Deutschland sind in dieser Zeit einige Instandhaltungen ausgeblieben.

Wie kann der Stromkunde für weniger Kohlestrom sorgen?

Die Wahl von Ökostrom ist hier nur der erste Schritt, denn sollte tatsächlich unwahrscheinliche Fall auftreten, dass kein Ökostrom eingekauft werden kann, dann würden auch die Kunden mit Ökostrom mit Kohlestrom versorgt werden.

In unter einer Minute kann man zum Klimaretter werden und kostspielige Reserven verhindern, es genügt ein Blick auf den GrünstromIndex, der einem Auskunft gibt, wann in den kommenden 36 Stunden viel oder wenig Strom aus dem eigenen Umland kommt.

Sage zu Deiner Alexa:

“Alexa, frage Corrently wann ich Strom nutzen soll?”

Allein diese Antwort reicht, um etwas darauf zu achten, dass die Waschmaschine, Spülmaschine, Wäschetrockner und andere Alltagshelfer ihren Dienst dann verrichten, wenn der Strom nicht durch halb Deutschland transportiert werden muss.

Was wollen die Stromanbieter?

Natürlich kann an dieser Stelle nur von unseren eigenen Erfahrungen und Wünschen berichtet werden. Mit Corrently wollen wir, dass die Kunden mehr regionalen Ökostrom beziehen und die Wertschöpfung möglichst am Ort bleibt. Dabei ist es für uns egal, ob die Anlagen in unserem Besitz sind oder jemand anderen gehören, denn lokale vorhandener Strom bedeutet kurze Transportstrecken.

Desto kürzer die Strecke zwischen Erzeugung und Verbrauch ist, desto weniger Netzausbau wird benötigt, desto weniger Netzverluste müssen ausgeglichen werden und desto weniger Reserven müssen dezentral vorgehalten werden.

Gerade in den Nachtstunden müssen wir feststellen, dass der Verbrauch unserer Kunden so stark zurückgeht, dass wir einen Überschuss haben. Dies soll mit Sicherheit kein Aufruf zur Stromverschwendung sein, aber ein Indikator, dass wir als Stromanbieter mit anderen Problemen uns beschäftigen, als bezahlte Stimmungsmacher es gerne uns und den Mittbewerben in den Mund legen.